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Students For Future Hamburg

Zukunftsfestival 2024: Luisa Neubauer über Macht, Ohnmacht und Klimakrise

Bild: Students for Future Hamburg

Vom 13. bis 15. Mai 2024 fand das Zukunftsfestival der Helmut-Schmidt-Stiftung, der ZEIT und der Leuphana Universität Lüneburg statt. Drei Tage lang kamen junge Menschen aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz auf dem Campus der Leuphana Universität zusammen, um sich mit den drängenden Herausforderungen unserer Zeit zu beschäftigen: Klima, Demokratie und Künstliche Intelligenz. Ein besonderes Highlight des Festivals war das Gespräch mit der Klimaaktivistin Luisa Neubauer. Unter dem Titel „Macht und Ohnmacht in Zeiten autoritärer Versuchungen“ sprach sie über aktuelle Herausforderungen und die Zukunft der Demokratie- und Klimabewegungen.

Wie geht es weiter mit der Demokratiebewegung?

Viele fragen sich, wie es mit der Demokratiebewegung weitergeht, die im Februar 2024 nach der Veröffentlichung der correctiv-Recherche über die geheimen Pläne der Rechtsextremen begann. Luisa Neubauer betonte, es sei normal, dass eine Bewegung nach einer gewissen Zeit abflaue. Sie könne aber bei Bedarf jederzeit wieder aufleben. Ein aktuelles Beispiel sei die Reaktion auf den Angriff auf den SPD-Politiker Mathias Ecke. Neubauer erklärte, dass solche Vorfälle nicht nur online diskutiert, sondern auch durch greifbare Aktionen vor Ort unterstützt werden sollten. Aus diesem Grund organisierte sie gemeinsam mit anderen Aktivist*innen direkt nach dem Vorfall eine Demonstration in Dresden.

Fridays for Future: Von der Information zur Umsetzung

Im Gespräch ging Neubauer auch auf die Entwicklung der Fridays for Future-Bewegung ein. Sie erklärte, dass die Bewegung ihre ersten Ziele – das Informieren und Mobilisieren – erfolgreich erreicht habe. Es sei ein Kampf um die Anerkennung der Klimakrise gewesen. Nun gehe es um die Umsetzung von Maßnahmen. Dieser Prozess sei weniger aufregend und oft unbequem, da er bedeute, die eigene Lebensweise in Frage zu stellen, wie z.B. die Nutzung von Gasheizungen.

Die Phasen der Klimaleugnung

Neubauer sprach auch über die verschiedenen Phasen der Klimaleugnung. Anfangs wurde die Existenz der Klimakrise selbst geleugnet, später das Pariser Abkommen infrage gestellt. Dann wurden die Lösungsvorschläge zur Bekämpfung der Klimakrise abgelehnt. Heute werde oft die Dringlichkeit der Krise geleugnet. Neubauer machte deutlich, dass es wichtig sei, diese unterschiedlichen Verweigerungsreaktionen zu erkennen und sich weiterhin aktiv für die Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen einzusetzen.

Klimakrise und Demokratie

In der Fragerunde betonte Luisa Neubauer, dass Klimakrise und Demokratie eng miteinander verbunden seien. Das Pariser Abkommen sei dafür ein gutes Beispiel: Es existiere nur, weil internationale Demokratie etabliert worden sei. Länder wie Russland und China, die autoritär regiert werden, erschweren die globale Zusammenarbeit im Klimaschutz.

Die Flutkatastrophe im Ahrtal

Im Zusammenhang mit Demokratie ging Neubauer auf die Hochwasserkatastrophe im Ahrtal ein, die 2021 massive Schäden verursacht und 30 Milliarden Euro gekostet hat. Sie warnte davor, dass bei einer Erderwärmung um 3 Grad alle drei Wochen ein solches Hochwasser zu erwarten sei. Das würde enorme Kosten verursachen und langfristig eine stabile Demokratie gefährden. Wenn Deutschland als reiches Land damit kaum umgehen könne, so Neubauer, stelle sich die Frage, wie andere Länder damit umgehen sollen.

Gemeinsam für Klimagerechtigkeit

Neubauer ging auch auf die Verantwortung jedes Einzelnen bei der Entstehung der Klimakrise ein. Sie erklärte:

„Es waren nicht einfach nur böse Männer, die gesagt haben: Wir machen jetzt Klimakrise. Da waren auch fossile Männer involviert, aber vor allem waren es Millionen, wenn nicht Milliarden ganz normale Menschen, die ihre Träume verwirklichen wollten – von einem eigenen Heim, langen Reisen, einem dritten Auto und was auch immer man so erträumt. Das waren nicht Menschen, die sich abgesprochen haben oder gesagt haben: So, jetzt zeigen wir es mal bei dem globalen Süden oder unseren eigenen Kindern, wie viel wir auf der Welt kaputt gut machen können. Das heißt, die Klimakrise an sich war eigentlich eine gigantische globale, vielleicht die größte jemals gesehene Gruppenarbeit über Generationen hinweg. Leute haben bei sich was gemacht und haben wissentlich oder unwissentlich zu einer gigantischen großen Veränderung auf der Welt beigetragen.“

Genauso, wie die Klimakrise durch viele kleine Handlungen entstanden ist, könne auch der Klimaschutz durch kollektives Handeln erreicht werden.

„Und letztendlich ist Klimagerechtigkeit oder gelebter Klimaschutz auch eine gigantische globale Gruppenarbeit. Niemand von uns wird alles machen können, aber alle können etwas machen. Und nur weil wir nicht alles machen können, weil wir nicht allein diesen Ölkonzern stoppen können, weil wir nicht allein diese Bank von diesem Investment abhalten können, haben wir keine Sekunde lang einen Grund, dann gar nichts zu tun.“,

erklärte Neubauer.

“Da wir gesehen haben, es kann in eine Richtung funktionieren, wissen wir auch, irgendwo ist immer vor Ort, irgendwo ist immer ein Schritt, der gemacht werden muss. Und im Kopf wissen wir, Millionen von anderen Menschen machen genauso einen Schritt genau in diesem Augenblick und dann ergibt es Sinn alles zusammen.”

Fazit

Luisa Neubauers Auftritt beim Zukunftsfestival verdeutlichte, dass der Kampf für Demokratie und Klimaschutz weitergeht, auch wenn sich die Ansätze und Methoden im Laufe der Zeit verändern. Es braucht weiterhin Engagement und die Bereitschaft, unbequeme Schritte zu gehen. Gerade junge Menschen sind aufgerufen, sich einzubringen und für eine nachhaltige Zukunft zu engagieren.


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